Ein Relaunch kostet dann Rankings, wenn sich Adressen, Inhalte oder die interne Verlinkung ändern, ohne dass vorher jemand die alte Website dokumentiert und jede alte URL sauber auf die neue leitet. Mit einer Bestandsaufnahme aus Search Console, Matomo und Crawl, einem Weiterleitungsplan 1:1, Inhalten, die nicht ohne Grund gekürzt werden, einer Staging-Umgebung, die Google nicht sieht, und vier Wochen Beobachtung nach dem Launch bleibt es in der Regel bei kurzen Schwankungen. Diese Checkliste ist unser Ablauf für Relaunches, zuletzt angewendet auf unsere eigene Website.
Warum Relaunches Rankings kosten
Google bewertet einzelne Adressen, nicht Websites als Ganzes. Jede URL hat über Jahre Signale gesammelt: externe Links, interne Links, Klicks aus der Suche, eine Historie. Ein Relaunch greift an vier Stellen in diese Signale ein, und meistens passiert das unbemerkt.
- URLs ändern sich. Neues CMS, neue Struktur, neue Schreibweise der Slugs. Ohne Weiterleitung landen Besucher und Suchmaschinen auf einer 404-Seite, und die gesammelten Signale sind weg.
- Inhalte werden gekürzt. Die neue Website soll „aufgeräumt“ wirken. Aus einer ausführlichen Seite, die für zwanzig Suchanfragen rankt, wird ein Absatz mit Bild. Google findet die Antworten nicht mehr, für die die Seite stand.
- Interne Verlinkung bricht. Ein neues Menü, ein anderer Footer, gestrichene Querverweise. Seiten, die vorher von jeder Unterseite aus verlinkt waren, hängen jetzt drei Klicks tief oder sind gar nicht mehr erreichbar.
- Technik. Ein vergessenes „noindex“ aus dem Staging, eine robots.txt, die alles sperrt, falsche Canonical-Angaben, ein Theme, das die Ladezeit verdoppelt.
Unsere Erfahrung: Die meisten Verluste nach einem Relaunch sind keine Frage des Algorithmus, sondern ein vergessener Haken oder eine fehlende Tabelle. Beides lässt sich vorher erledigen.
Bestandsaufnahme: Was du vor dem Relaunch sichern musst
Bevor irgendjemand eine neue Seite baut, brauchst du ein vollständiges Bild der alten. Drei Quellen reichen dafür.
Search Console
Exportiere den Leistungsbericht mit allen Seiten, ihren Klicks und Impressionen über den längsten verfügbaren Zeitraum, die Search Console hält 16 Monate vor. Für die wichtigsten Seiten zusätzlich die Suchanfragen je Seite: Das zeigt dir, wofür eine Seite tatsächlich rankt, und das ist oft etwas anderes, als ihr Titel vermuten lässt. Aus dem Bericht „Links“ holst du die Seiten mit externen Verweisen. Diese Adressen sind die wertvollsten und dürfen auf keinen Fall ins Leere laufen.
Matomo
Die Webanalyse zeigt, welche Seiten Anfragen bringen, wo Besucher einsteigen und welche Kampagnenlinks in Anzeigen, Newslettern und gedruckten Materialien stecken. Gerade QR-Codes auf Flyern und Links in Signaturen werden bei Relaunches vergessen und zeigen dann jahrelang auf eine tote Adresse.
Crawl
Ein Crawl-Werkzeug wie Screaming Frog liefert dir jede erreichbare URL der alten Website, auch Bilder, PDFs, Parameter-Varianten und bereits bestehende Weiterleitungen aus früheren Relaunches. Dazu Titel, Meta-Description, H1, Canonical und Statuscode je Seite. Mit derselben Gelegenheit misst du Ladezeit und Core Web Vitals, damit du nach dem Launch einen Vergleich hast.
Das Ergebnis ist eine Tabelle: alte URL, Klicks, Impressionen, externe Links, Anfragen laut Matomo, und zwei leere Spalten für die neue Ziel-URL und den Status. Diese Tabelle ist das wichtigste Dokument des ganzen Projekts.
Der Weiterleitungsplan: 1:1 und ohne Umwege
Jede alte Adresse bekommt genau eine neue, per 301-Weiterleitung. Dafür gibt es ein paar Regeln, die wir nicht verhandeln.
- Zur passendsten Seite, nicht zur Startseite. Google behandelt Massenweiterleitungen auf die Startseite wie eine 404-Seite (Soft 404), und Besucher landen im Nichts. Gibt es keine passende neue Seite, nimm die Elternseite des Themas.
- Keine Ketten. Weiterleitungen aus früheren Relaunches biegst du direkt auf das neue Ziel um, statt sie über zwei oder drei Stationen laufen zu lassen.
- Bilder und PDFs mitnehmen. Bildadressen ranken in der Bildersuche, PDFs sind oft von außen verlinkt. Beide gehören in den Plan.
- Varianten bedenken. Groß- und Kleinschreibung, Adressen mit und ohne Schrägstrich am Ende, alte Parameter. Ein Muster per regulärem Ausdruck erledigt viel, muss aber gegen die Liste getestet werden.
- Interne Links direkt setzen. Die neue Website verlinkt intern auf die neuen Adressen, nicht auf Weiterleitungen.
Bei einem Domainwechsel kommt die Adressänderung in der Search Console dazu. Technisch reichen für die meisten Websites das Weiterleitungsmodul eines SEO-Plugins, wir nutzen Rank Math, oder ein Regelblock in der Webserver-Konfiguration. Wichtig ist nicht das Werkzeug, sondern dass die Liste vollständig ist und jemand sie getestet hat.
Inhalte nicht kürzen ohne Grund
Der Text ist das, was rankt. Das Design ist das, was den Text trägt. Wer bei einem Relaunch zuerst die Optik entwirft und dann fragt, wie viel Text da noch hineinpasst, verliert planbar Sichtbarkeit. Deshalb läuft es bei uns umgekehrt: Für jede alte Seite steht in der Tabelle, wofür sie rankt, und die neue Seite muss diese Fragen weiterhin beantworten.
Das heißt nicht, dass alles bleiben muss. Seiten ohne Klicks und ohne externe Links dürfen gehen, mit Weiterleitung auf die Elternseite. Doppelte Inhalte darfst du zusammenlegen, bewusst, mit Weiterleitung der schwächeren auf die stärkere Seite. Was wir nicht empfehlen: Titel, Überschriften und Kernabsätze einer gut rankenden Seite neu zu erfinden, nur weil sie neu klingen sollen. Für unsere eigene Website haben wir uns deshalb für ausführliche Leistungsseiten mit Kurzantwort, Ablauf und FAQ entschieden, bewusst substanziell, ohne Füllsätze. Was diese Struktur für Suchmaschinenoptimierung und KI-Suchen leistet, beschreiben wir auf der Leistungsseite.
Staging, das Google nicht sieht, und der Launch-Tag
Die neue Website entsteht auf einer Staging-Umgebung. Die muss vor Suchmaschinen geschützt sein, sonst indexiert Google die Baustelle und wertet sie später als Duplikat. Ein Passwortschutz auf Serverebene ist dafür zuverlässiger als „noindex“ allein, und eine robots.txt, die alles sperrt, verhindert sogar, dass Google ein „noindex“ überhaupt liest. Matomo läuft auf dem Staging nicht oder mit eigener Seiten-ID, damit Testklicks nicht in den Live-Zahlen landen.
Der Launch selbst ist eine Liste, die jemand Punkt für Punkt abhakt, an einem Vormittag mitten in der Woche, nicht am Freitagnachmittag.
| Prüfpunkt | Wie prüfen | Warum |
|---|---|---|
| „noindex“ entfernt, robots.txt erlaubt Crawling | Quelltext und robots.txt per Browser oder curl | Der häufigste Fehler überhaupt |
| Alle Weiterleitungen funktionieren | Alte URL-Liste im Listenmodus des Crawlers oder per Skript: jede alte Adresse muss mit 301 auf eine Seite mit Status 200 führen | Kein Signal geht verloren |
| XML-Sitemap eingereicht | Neue Sitemap in der Search Console, alte Sitemap entfernen | Google findet die neuen Adressen schnell |
| 404-Monitor aktiv | Modul im SEO-Plugin oder Server-Log | Vergessene Adressen fallen sofort auf |
| Canonical, strukturierte Daten, hreflang | Stichproben je Seitentyp | Keine Widersprüche für Suchmaschinen |
| Tracking läuft | Matomo zählt Besuche, Ziele feuern, Formulare senden | Ohne Messung kein Vergleich |
| Cache und CDN geleert | Cache-Plugin, Server, Cloudflare | Besucher sehen die neue Website, nicht die alte |
Die ersten vier Wochen beobachten
Nach dem Launch schwanken Rankings. Google crawlt die Website neu, bewertet die neuen Adressen und braucht dafür Zeit. Das ist normal, und es ist kein Grund, am dritten Tag alles zurückzudrehen. Was du stattdessen tust:
- Täglich in der ersten Woche: 404-Monitor durchsehen und jede Adresse mit Zugriffen weiterleiten. Indexierungsbericht der Search Console auf neue Fehler prüfen. Die Crawl-Statistik steigt nach einem Relaunch meist deutlich, das ist gewollt.
- Wöchentlich: Klicks und Impressionen der wichtigsten Seiten mit dem Zeitraum vor dem Launch vergleichen, Rankings der Kernbegriffe notieren, Einstiegsseiten in Matomo prüfen.
- Bei Verlusten einzelner Seiten: alte und neue Fassung nebeneinanderlegen, Backup oder Wayback Machine. Fehlt ein Abschnitt, eine Überschrift, eine Antwort, die vorher da war? Dann zurück damit.
- Nach etwa vier Wochen: die Core Web Vitals im Feld ansehen. Der Bericht in der Search Console basiert auf echten Besuchern und braucht 28 Tage Daten, bevor er belastbar ist.
Ein ehrlicher Vergleich ist erst nach vier bis acht Wochen möglich. Wer dann nicht mindestens auf dem alten Stand ist, hat entweder eine Lücke im Weiterleitungsplan oder Inhalte verloren, beides lässt sich finden. Damit die Website danach nicht wieder verwildert, gehört die laufende Kontrolle von 404-Seiten, Sitemap und Ladezeit in die Website-Wartung.
Fazit
Ein Relaunch ohne Rankingverlust ist Fleißarbeit: eine vollständige Tabelle aller alten Adressen mit ihren Signalen, ein Weiterleitungsplan 1:1 ohne Ketten, Inhalte, die weiter dieselben Fragen beantworten, ein geschütztes Staging und ein Launch-Tag mit Checkliste. Danach vier Wochen hinsehen, nicht in Panik verfallen. Wer das Marketing und die Technik dafür aus einer Hand haben will, findet unser Vorgehen unter SEO, und das Beispiel unseres eigenen Relaunches unter den Referenzen.
Häufige Fragen
Verliert man bei einem Relaunch immer Rankings?
Nein. Kurze Schwankungen nach dem Launch sind normal, weil Google die Website neu crawlt und bewertet. Dauerhafte Verluste entstehen meist durch fehlende Weiterleitungen, gekürzte Inhalte oder technische Fehler wie ein vergessenes „noindex“, und die lassen sich vorher vermeiden.
Wie lange dauert es, bis sich Rankings nach einem Relaunch erholen?
Einen ehrlichen Vergleich kannst du nach vier bis acht Wochen ziehen. Wer dann nicht mindestens auf dem alten Stand ist, hat meist eine Lücke im Weiterleitungsplan oder Inhalte verloren. Beides lässt sich finden und beheben.
Kann ich alle alten URLs auf die Startseite weiterleiten?
Besser nicht. Google behandelt Massenweiterleitungen auf die Startseite wie eine 404-Seite, und Besucher finden nicht, was sie gesucht haben. Jede alte Adresse bekommt die passendste neue Seite; gibt es keine, die Elternseite des Themas.
Brauche ich nach einem Relaunch eine neue Sitemap?
Ja. Reiche die neue XML-Sitemap in der Search Console ein und entferne die alte, damit Google die neuen Adressen schnell findet. Die Weiterleitungen ersetzt sie nicht, sie ergänzt sie.
Was ist der häufigste Fehler beim Relaunch?
Ein „noindex“ oder eine sperrende robots.txt aus der Staging-Umgebung, die mit auf die Live-Seite wandert. Direkt danach kommen fehlende Weiterleitungen für Adressen mit externen Links. Beides steht deshalb ganz oben auf unserer Launch-Liste.
Stand: September 2026, wir aktualisieren diesen Artikel, wenn sich Rechtslage oder Technik ändern.



